Vergessene Welten - Legende von Drizzt 06: Der Hüter des Waldes - Die Saga vom Dunkelelf 6
- Blanvalet
- Erschienen: Oktober 1992
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Ein gebührender Abschluss
Mit „Hüter des Waldes“ neigen sich die Erzählungen über die Vorgeschichte unseres Helden Drizzt Do’Urden dem Ende zu. Der verlorene Sohn von Menzoberranzan hat mir Unmengen an Lesegenuss bereitet. Ich kann mich nur wiederholen, wenn ich sage, dass diese Romane einen geeigneten Gegenpol darstellen, der sich dem Überschuss (vielleicht auch Überdruss) an marktführender Romantasy-Literatur tapfer entgegenstellt.
Wenden wir uns nun Drizzts Abenteuer zu, das wiederholt die ewige Suche nach Heimat in den Vordergrund stellt.
Die Orks sind los
Im Vorgänger gelang es der Hauptfigur, Freundschaft mit einem alternden Waldläufer zu schließen. Im Gegensatz zu den meisten anderen Menschen, auf die Drizzt gestoßen ist, war Montolio DeBrouchee bereit, Drizzt nicht vorzuverurteilen und ihm eine Chance zu geben, seinen Charakter zu beweisen. Drizzt Seelenfrieden erfährt einen lang ersehnten Heilungsprozess. Er beginnt, die Brücke der Integration zu beschreiten, indem er viel über die Sprache und andere Gegebenheiten der Oberflächenwelt lernt.
Lange ist es den beiden vergönnt, abgeschieden und friedlich in einem kleinen Waldstück ihr Dasein zu fristen. Doch wie so oft hat Drizzts Vergangenheit Staub aufgewirbelt und eine Gruppe Orks trachtet nach seinem Leben. Waldläufer und Elf müssen sich den Horden der Orks stellen, denn eine kämpferische Auseinandersetzung scheint unausweichlich.
Die beiden Krieger schlagen sich wacker und können ihr Leben in Abgeschiedenheit verteidigen. Im Laufe der Jahreszeiten trifft Drizzt jedoch auf einen Feind, dem er nichts entgegenzusetzen hat – das Rad der Zeit. Auch wenn die Unaufhaltsamkeit der Zeit ihm kaum persönlich schadet, trifft sie Montolio mit voller Wucht.
Drizzts Suche nach Beständigkeit beginnt von Neuem, und so packt unser Held seine sieben Sachen und bricht auf in die Weiten der Oberflächenwelt, erfüllt von dem Begehren nach Freundschaft und Frieden.
Eine Prise Hoffnung
Dieses Buch öffnet sich der Oberwelt noch mehr, als es das Vorangegangene bereits getan hat. Diesmal gelingt es R. A. Salvatore, den Landstrichen, die an Drizzt vorbeiziehen, einen Hauch bildgewaltiger zu skizzieren. Der Grundgedanke meiner Kritik, den Vorläufer betreffend, bleibt jedoch bestehen. Dörfer und Städte wirken weiterhin wenig belebt. Es fehlt in vielen Bereichen schlicht an Liebe für Details. Während unsere Hauptfigur von Dorf zu Dorf zieht, entstehen kaum visuelle Reize vor unserem inneren Auge. Es liegt auf der Hand, dass der Autor sich insoweit mehr Zeit hätte nehmen sollen, um seiner Kulisse mehr Lebendigkeit und Abwechslung zu schenken. Die Ausschnitte, die der Leser serviert bekommt, reichen nicht aus, um die Oberwelt als trubeligen Spielplatz für die bunte Völkervielfalt darzustellen.
Dafür gelingt es Salvatore wieder herausragend, die emotionale Tortur zu offenbaren, die Drizzt jedes Mal durchlebt, sobald sich ein Dorf am Horizont abzeichnet. In diesen Momenten durchbrechen beflügelnde Erwartungen und durchflutende Hoffnungen seinen Panzer der Einsamkeit, da er vielleicht endlich die Akzeptanz und das Zuhause findet, die er verdient.
Jeder Stich der Ablehnung ins Herz unseres Helden ist auch ein Stich ins Herz der Lesenden. Wir leiden, bangen und beten mit dieser tragischen Figur eines Dunkelelfen. Als sich die Geschichte dem Ende neigt und sich das Ziel seiner Reise als Lichtblick entpuppt, ist es nicht nur Drizzt Antlitz, das durch ein Lächeln verschönert wird.
Neben diesen emotionalen Aspekten geben auch die Momente voller schwertkämpfendem Spektakel genug Futter, um uns frohlockend zurückzulassen.
Gegen Ende möchte ich euch, liebe Leser, noch mit folgendem Zitat beglücken. Es untermauert die innere Schönheit, mit der R. A. Salvatore seine Hauptfigur ausgestattet hat.
„Viele Monate würde man mich misstrauisch beobachten, aber schließlich würden sie meine Prinzipien erkennen und sie als das einordnen, was sie waren. Der Charakter einer Person würde mehr Gewicht haben als ihre Hautfarbe und der Ruf ihrer Ahnen“ (R. A. Salvatore in „Hüter des Waldes – Die Saga vom Dunkelelf 6, erschienen 1992).
Eine Botschaft für die Ewigkeit.
Fazit:
Ein gelungener Roman, der seine Hauptfigur in Szene zu setzen weiß. Die Schwächen des Vorgängers rücken ein wenig in den Hintergrund und verdunkeln nur minimal das Rampenlicht, in das Drizzt Do’Urden gehört.

R. A. Salvatore, Blanvalet
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