Vergessene Welten - Legende von Drizzt 05: In Acht und Bann - Die Saga vom Dunkelelf 5
- Goldmann
- Erschienen: September 1992
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Eine neue Welt
Willkommen zurück zu einer weiteren Episode von Drizzt Do’Urdens Abenteurern. „In Acht und Bann“ ist bereits Band 5 der Vorgeschichten über den Dunkelelf. Dieses Buch steht in hartem Kontrast zu seinen Vorgängern, denn unser Held zieht die Reißleine und verlässt seine Welt der Schatten – das Unterreich. Drizzt Volk, die Dunkelelfen von Menzoberranzan, sind sein düsteres Schicksal, aus dessen Fängen er sich nicht zu befreien mag. Unser Recke fasst daraufhin einen Entschluss, der alles verrät was seine Vorfahren seit Jahrhunderten propagieren. Er zerbricht alle Verbindungen, die ihn an seine Heimat ketten, und schreitet in das Sonnenlicht der Oberwelt.
Nie enden wollender Schmerz
Drizzts erste Schritte an der Oberfläche sind vor allem durch Zurückhaltung und Vorsicht geprägt. Seine Augen, die lediglich die ewige Finsternis des Unterreichs kennen, brauchen lange, um sich an die blendenden Strahlen der Sonne zu gewöhnen. Auch die Flora und Fauna sind Drizzt unbekannt. Aus der Ferne beobachtet er Menschen, wagt es aber nicht, sich ihnen zu offenbaren. Zu groß ist die Angst vor Ablehnung. Zu groß ist der Schmerz, wegen seiner Herkunft verachtet zu werden. Diese Furcht wird für den Leser zu einer greifbaren Tragödie und entfaltet sich zu einer tiefgreifenden emotionalen Komponente.
Als ein Gestaltwandler Drizzt Wirklichkeit ausnutzt, um ihn als Schlächter einer unschuldigen Bauernfamilie darzustellen, bricht das Konstrukt der Hoffnung, das unserem Helden an der Oberfläche Schutz und einen Hauch Geborgenheit geschenkt hat, in sich zusammen. Zum wiederholten Male werden Drizzts Befürchtungen tragische Realität.
Der oben beschriebene Konflikt, der sich durch die Vorgeschichten weidet wie Drizzt Krummsäbel durch die Eingeweide seiner Feinde, bekommt durch den Hoffnungsschimmer des Neuanfangs eine besondere Brisanz. Der Leser schließt die Hauptfigur immer mehr in sein Herz und versucht sich gegen die Tatsache zu wehren, zum Zuschauen verdammt zu sein. R. A. Salvatore gelingt es erneut, die Leserschaft in einem Netz aus Spannung und böser Vorahnung an seine Hauptfigur zu fesseln.
Vergängliche Vielfalt
Bereits in den Vorgängern habe ich den fehlenden Tiefgang der verschiedenen Völker der Vergessenen Welten kritisiert (die Dunkelelfen sind hiervon ausgenommen). Dieser Makel entfaltet sich in der Oberflächenwelt zu einem mittelschweren Sturm, der die bunte Vielfalt, mit der uns der Autor konfrontiert, untergräbt. Elfen, Zwerge und Orks, um ein paar namhafte Bevölkerungsgruppen der High Fantasy zu nennen, lösen bei Liebhabern dieses Genres regelmäßig Glücksgefühle aus. Doch all diese Vielfalt nützt kaum etwas, wenn die Völker überwiegend eindimensional skizziert daherkommen. Mensch und Oberflächenelf scheinen sich in ihrem Auftreten kaum voneinander zu unterscheiden und Orks werden leichthin als „bösartig“ abgekanzelt. Für ein lebendiges Kopfkino müssen allgemeingültige Fakten herhalten, denn Salvatore erwähnt Äußerlichkeiten mit kaum einer Silbe. Unter dem Strich ist dieser Mangel an kreativem Schöpfen ein Dorn im Auge. Hoffnung macht jedoch, dass die Buchreihe rund um Drizzt Do’Urden mit hinreichend Abenteuern aufwartet, in denen der Autor genügend Möglichkeiten erhält, seine Scharten auszuwetzen.
Fazit:
„In Acht und Bann“ ist sehr wohl ein lesenswerter Roman, der Fans der klassischen Fantasy zu begeistern weiß. Insbesondere Drizzts tragisches Schicksal und die Suche nach Erlösung bleiben weiterhin spannend zu verfolgen. Leider schwächelt Salvatore mit der Bereitstellung der Oberflächenwelt als lebendige Kulisse. Noch wirkt der neue Schauplatz für Drizzts Abenteuer, mangels Tiefgangs, klein und leer.

R. A. Salvatore, Goldmann
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