Mensch, Verwandler: Anthologie zum 1. Berliner Preis für Science Fiction

  • radiator publishing
  • Erschienen: Februar 2024
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»Politicians should read science fiction, not westerns and detective stories«, schrieb der große Arthur C. Clarke. Recht hatte er. Recht hat er weiterhin. Denn gegenwärtig werden die Grenzen des Menschseins allerorten neu ausgelotet. Und es sind gerade die fantastischen Erzählformen, die uns einen Blick in die Zukunft ermöglichen, den eine realistische Erzählung so vielleicht nicht gestattet. Das Stichwort für die hier versammelten Beiträge zum Berliner Preis für Science Fiction, vom Radiator Verlag kuratiert und dieses Jahr erstmalig ausgetragen, war Posthumanismus/Transhumanismus.

Hinter diesen beiden Vokabeln verstecken sich Konzepte, die bereits heiß diskutiert werden und die wohl ohne Zweifel in Zukunft nur an Bedeutung gewinnen werden. Identisch sind diese beiden Ideenfelder nicht, überschneiden sich jedoch in der Vorstellung, dass es den Menschen, wie wir ihn heute für natürlich halten, so nicht gibt. Posthumanistische Debatten argumentieren, dass der moderne Mensch ein Produkt bestimmter geschichtlicher Entwicklungen ist und dementsprechend keine überzeitliche Geltung verlangen darf. Nietzsche, Huxley, Wiener, Houellebecq – die Liste prominenter Fürsprecher ist lang. Foucault sprach in Die Ordnung der Dinge Mitte der 60er Jahre davon, dass der »Mensch verschwinden wird wie am Meeresufer ein Gesicht im Sand«. Die Zukunft wird zeigen, ob die Grenzen zwischen Technologie und menschlichem Leben zunehmend fließend werden – möglicherweise mit der Entstehung nicht-menschlicher Formen von Bewusstsein.

Der Transhumanismus versteht sich als Projekt zur Verbesserung der Menschheit durch Anwendung neuer Technologien wie Bioengineering, KI oder Nanotechnologie. Menschliche Einschränkungen sind da, aufgehoben zu werden, aus der wilden Evolution soll geordnete Optimierung werden. Die Beiträge zum Preis erkunden dementsprechend eine Gemengelage, welche die Visionen der Science Fiction bereits lange vor der Prägung dieser beiden Begriffe anleitete. Die Bestimmung der Richtung, in welche die entfesselten, prometheischen Kräfte der Gegenwart steuern, ist eine der wichtigen Fragen dieser Gattung.

Aufregend war es bei der Sichtung der großen Zahl an Einsendungen, den Texten über die Schulter zu gucken, wie sie dieses Stichwort in literarische Erzähltexte übertragen. Ganz unterschiedliche Wege wurden gewählt.

Mensch, Verwandler: Anthologie zum 1. Berliner Preis für Science Fiction

Nikolas Göllner (Herausgeber), Alexander Kappe (Herausgeber), radiator publishing

Mensch, Verwandler: Anthologie zum 1. Berliner Preis für Science Fiction

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