Geister in Blackwood House

  • Festa
  • Erschienen: November 2024
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Geister in Blackwood House
Geister in Blackwood House
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Michael Drewniok
75°1001

Phantastik-Couch Rezension vonMär 2025

Günstiges Haus mit höllischem Haken

Mara will um jeden Preis ‘raus aus ihrer miesen, kleinen Mietwohnung und endlich ein eigenes Heim besitzen! Nach Jahren des Sparens hat sie genug Geld zusammen. Mit Freund Neil sichtet sie die in Frage kommenden Projekte. Doch der Markt ist in ihrem Budgetbereich praktisch leergefegt. Enttäuscht will Mara aufgeben, als die Maklerin mit einem unerwartet günstig zu erwerbenden Haus aufwartet.

Blackwood House, eine halbe Stunde vor der Stadt und recht einsam gelegen, ist nicht nur größer, als Mara erwartet hat, sondern auch recht gut erhalten, obwohl es seit Jahrzehnten leer steht: Es ist nicht vergessen, dass dieses Haus vor etwas mehr als einem Jahrhundert Robert Kant bewohnt hat, der als Serienmörder unrühmlich in die Lokalgeschichte einging. Vor allem Kinder hat Kant in Blackwood House umgebracht und sich dort schließlich erhängt, als ihm die Polizei doch auf die Schliche gekommen war.

Mara glaubt nicht an Übernatürliches; sie will es erst recht nicht, weil ihre Eltern sie als Kind gezwungen haben, im Rahmen kruder Séancen das Medium zu geben. Durch Maras Mund sprachen angeblich die Geister der Verstorbenen. Sie hat diese Auftritte gefürchtet und gehasst; eine seelische Last, die sie noch heute mit sich schleppt. Also kauft Mara Blackwood House auch aus Trotz. Neil ist nicht von ihrem Entschluss begeistert, unterstützt sie jedoch und hilft fleißig bei der Renovierung. Die Freude hält nur kurz an, denn umgehend beginnen des Nachts Geräusche zu ertönen. Bald folgen Handlungen, die in Handgreiflichkeiten übergehen: Ist der verfluchte Geist des Robert Kant erwacht, um dort anzusetzen, wo ihn der Tod einst gestoppt hat ...?

Geister gibt es nicht ...

Wenn das eigene Heim eine Burg ist, muss es zwangsläufig für Schrecken sorgen, wenn es von Mächten belagert wird, die noch brutaler als der Schornsteinfeger, das Finanzamt oder andere Schergen der weltlichen Obrigkeit Einlass begehren! Schließt man des Abends seine Tür, will man seine Ruhe haben nach einem wahrscheinlich fordernden Tag und verschnaufen, bevor es am nächsten Morgen in eine neue Runde der Alltagsexistenz geht.

Wasserrohrbruch, Schabenbefall oder Familienstreit sind Faktoren, die normalerweise vor der ersehnten Nachtruhe stehen. Die muss jedoch irgendwann kommen, denn ohne Pause fällt jene Erholung aus, die allein uns die Kraft gibt, das Bett wieder zu verlassen. Dann ist es fatal, wenn man ausgestreckt in der Dunkelheit liegt und keine Ruhe findet, weil es im Haus raschelt und tappt und schemenhafte Gestalten sich durch die Räume bewegen.

Selbstverständlich wird der Gedanke an Geister in neuneinhalb von zehn Fällen negiert. Man ist ein Kind der aufgeklärten Gegenwart, und die hat schon lange Schluss gemacht mit den Schrecken aus dem Jenseits! Die Wissenschaft vertrieb die Geschöpfe einer unheimlich belebten Vergangenheit; sie wurden als Projektionen einer Welt entlarvt, die den Menschen lange mit rätselhaften Phänomenen konfrontierte.

... bloß, dass die Geister das nicht wissen

Der Horror in seiner trivialen Gestalt schlägt sich auf die Seite derer, die solche Erklärungen ablehnen und lieber weiter an echte Heimsuchungen von „drüben“ glauben. Geschichten, die vom Jenseits erzählen, entwickeln unabhängig davon einen Sog, der auch die Skeptiker in den Bann zieht: Gerade weil man an Spuk nicht glaubt, kann man ihn als Instrument der Unterhaltung schätzen. Das Gruseln im Wissen um tatsächliche Sicherheit ist ein Vergnügen, das auch und vor allem im eigenen Heim wurzelt, wo man sich sicher fühlt bzw. fühlen möchte, weshalb Attacken aus dem Jenseits umso heftiger ihr Ziel treffen.

Mara, die ‚Heldin‘ der hier vorgestellten Geschichte, ist das Paradebeispiel eines Pechvogels, der vom Regen in die Traufe gerät. Autorin Darcy Coates lässt in einem Prolog ihre hässliche Kindheit anklingen, die Mara einerseits nachhängt, sie aber andererseits auch von jeglichem Glauben an einen Gott oder böse Geister kurierte. Damit wird sie zum idealen Ziel für ‚realen‘ Spuk, der stets auf der Suche nach Opfern ist, die sich piesacken, in Angst und Schrecken versetzen und schließlich in die Hölle zerren lassen. Dass Maras Freund und Lebensgefährte Neil ein gläubiger Christ ist, betrachtet sie zunächst als Makel. Als es später hoch hergeht in Blackwood House, hat sie immerhin jemand an ihrer Seite, der die Existenz des Bösen grundsätzlich anerkennt.

Der Spuk von Blackwood House ist nicht besonders komplex. Tatsächlich hat er wenig mehr zu bieten als die bösartige Fortsetzung lebzeitiger Grässlichkeiten. Robert Kant war nie ein eindrucksvoller Charakter, und daran hat sein Tod nichts geändert. ‚Überlebt‘ haben Bosheit und Gemeinheit in einem Haus, das vor einem Jahrhundert die ‚Energie‘ der hier vollbrachten Übeltaten ‚gespeichert‘ hat. Steht Blackwood House leer, verfallen die dort gefangenen Geister in eine Art Winterschlaf. Sobald ‚frische‘ Menschen einziehen, kommt es zu einem Stromstoß, der die Maschinerie des Bösen wieder in Gang setzt.

Erst ungläubig, dann im Überlebensmodus

Mara ist aufgrund ihrer Vorgeschichte besonders empfänglich für das Übernatürliche. Dass ihre Mutter wusste, was die Tochter energisch von sich schiebt, ist eine der dramatischen Erkenntnisse, denen sich Mara stellen muss. Tatsächlich reicht die okkultistisch getränkte Vorgeschichte der Familie sehr viel weiter zurück, wie Autorin Coates (nicht unbedingt plausibel) enthüllt. Neil wiederum wird feststellen, dass sein fester Glaube eben doch keine Burg darstellt. Das Böse funktioniert nicht so, wie es die Kirche ihre Schäflein Glauben machen möchte.

Der üblichen Phase der Ungläubigkeit und Verdrängung folgt nicht nur die Erkenntnis, sondern auch der Kampf. Sein Heim lässt man ungern im Stich, zumal man sich dies finanziell nur selten leisten kann. Man ist gezwungen, dem Bösen die Stirn zu bieten. Mara erkennt und akzeptiert irgendwann diese Tatsache. Hier kann sie übernatürliche Beeinflussung geltend machen, da niemand, der seine Sinne beisammenhat, sonst verstehen könnte, wieso sie sich so an Blackwood House klammert: Dieser Spuk kennt keinen Schongang! Das ist kaum verwunderlich, da die nach und nach enthüllte Gesamtgeschichte des Hauses erklärt, wieso sich dort die Geister auf die Lakensäume treten.

Coates hält nicht viel von übernatürlicher Zurückhaltung. Kaum ist Mara eingezogen, geht es rund im Haus! Neben der wüsten Heimsuchung geht die leider genreüblich gewordene Liebesgeschichte (Mara und Neil) erfreulich unter: Es bleibt wenig Zeit für entsprechende Tändeleien, weil der Chor der Hausgeister Maras Aufmerksamkeit einfordert. Zwischendurch muss Coates auf die Bremse treten, weil sie Mara schon im zweiten Romandrittel intensiv piesackt, dass sie zwei Nachwuchs-Ghostbuster aus dem Hut ziehen muss. Die sorgen durch viel Gerede und Stümper-Exorzismen dafür, dass noch ein okkultes Final-Duell losbrechen kann, das allerdings angesichts der turbulenten Vorgeschichte nicht wirklich wie ein Höhepunkt wirkt. Aber Geister und Opfer ziehen die Sache durch, und das ergibt einen soliden, mit gut durchgeschüttelten Stereotypen versetzten Horrorroman ohne Längen.

Fazit:

Niemals subtiler oder gar origineller, aber rasanter Horror, deren Autorin ihre zwar trantütigen, aber schreckenstauglich gezeichneten ‚Helden‘ gruselig durch die Mangel dreht und sich auf das Spuk-Thema konzentriert: Spaßlektüre ohne literarische Hintergedanken.

Geister in Blackwood House

Darcy Coates, Festa

Geister in Blackwood House

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